Den Weg aus der Sinnkrise finden

Nennt man das Sinnkrise, wenn man sich innerlich zerrissen, durcheinander, wie in einem „Chaos“ fühlt? Ich will so viel und schaffe nichts. Es bleibt beim Vorsatz und ich gebe mich wieder dem Nichtstun hin. Ist das eine Sinnkrise? Oder nur eine Laune der Hormonveränderungen in den Wechseljahren?

Das Gedankenkarussell läuft mit rasender Geschwindigkeit, der Blutdruck steigt und fällt. Bei dem Gedanken, was alles noch erledigt werden muss, steigt der Puls auf gefühlt 180/min. Kalte Füße, heißer Kopf, schnell entflammbar, gnadenlos zu allem und jedem und am meisten zu MIR selbst.

Ja genau, so fühlt es sich im Moment für mich an.

Das Verrückte daran ist, dass es mir gut geht. Ich bin gesund, habe drei tolle, gesunde Kinder, ein Herzstück von einem Enkel, einen liebevollen Ehemann, ein schönes, gemütliches Zuhause auf der Sonneninsel, eine Arbeit, die mir Spaß macht, Sonne, Meer und Berge…

Was ist nur los mit mir? Wozu diese Rastlosigkeit, diese Unzufriedenheit? Mein Mann hat mich vor ein paar Tagen gefragt: „Wie kann ich dich denn lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?“ Wow, das hat gesessen! Er hat so recht.

Ich habe mir Zettel und Stift genommen und mal aufgeschrieben, wie ich über mich denke. Das Ergebnis war erschreckend – unglaublich, wenn ich mir durchlese, was ich geschrieben habe.

Kennt ihr das, sich selbst nicht genug zu sein? Ich denke wir Frauen sind da Spezialistinnen: zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, zu jung, zu alt, zu ungeschickt, zu langsam, zu schnell, verständnislos, zu kalt, zu emotional – ich könnte die Liste beliebig fortsetzen.

Aber warum tun wir uns das an? Warum tue ich mir das an?

Diese Frage ist nicht zu beantworten, weil ich es selbst nicht weiß… oder ich suche nach Gründen in der Vergangenheit, in der Kindheit. Das ist Zeitverschwendung, denn ich bin jetzt und hier, in diesem Moment.

Erinnern wir uns, wer wir wirklich sind.

Liebevolle, liebenswerte Menschen. Einfühlsam, respektvoll, gesund, voller Energie, einzigartig. Wir geben jeden Tag unser Bestes und vergessen, wie gut wir das tun.

Sei gut zu dir selbst, liebe und akzeptiere dich so wie du bist – denn du bist großartig, wie du bist.

Ich sitze gerade auf einem Felsplateau in der Nähe der Einsiedelei „Betlem“. Was für ein Ausblick von hier oben. Unter mir Felsen, Felder, Bäume, Häuser, Schafe , Ziegen…
Vor mir das weite Meer, die Bucht von Alcudia. Was habe ich für ein Glück, hier zu sein. Mir wird wieder einmal bewusst, wie wunderschön die Natur ist. Vollkommen, so wie wir Menschen.

Die Natur misst sich nicht an Werten, Beurteilungen. Denkt nicht nach, wie sie zu sein hat – sie IST einfach. Jeden Tag anders, ja sie verändert sich… wir uns auch… immer den gegenwärtigen Gegebenheiten entsprechend, das können wir auch. Wir dürfen diese ständigen Veränderungen gerne zulassen. Das ist Entwicklung, das ist Leben.

Es überkommt mich ein wohliges Gefühl, es kribbelt in meinem Herzen… diese Ruhe, diese Weite… ich kann es nicht beschreiben, aber ich weiß: Ich bin einzigartig, ich bin gut so, wie ich bin. Ich bin auf meinem Weg, der sich so anfühlt, wie der Weg gerade eben, den ich auf diesen Gipfel gegangen bin.

Ich hatte das Ziel genau im Kopf, habe es von unten sehen können und habe mich dann auf den Weg gemacht. Nach dem Gedanken, der Vorstellung, kam das TUN. Schritt für Schritt bin ich den Weg durch die Schlucht nach oben gegangen, mal leicht, mal schwieriger.
Manchmal habe ich eine Abkürzung genommen, die mich schneller nach oben brachte, aber auch mehr Kraft kostete. Ich habe gekämpft, geschwitzt… aber immer das Ziel vor Augen… wie ich auf dem Plateau sitze mit diesem wunderbaren Blick vor mir, diese Weite, die Ruhe…

Endlich war ich oben… dieses Gefühl, es geschafft zu haben… diese Erleichterung, die Freude, der Stolz…

Genauso ist es im Leben und ich erinnerte mich an einige Momente in meinem Leben, in denen es ähnlich war.

Ein Ziel, ein Traum, ein Wunsch… ich habe es mir vorgestellt und immer wiederholt in meinen Gedanken, habe auf dieses Ziel hingearbeitet, oft unbewusst, bis ich es geschafft hatte.

Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen, wie es funktioniert, muss ich schmunzeln…wenn wir weniger denken und mehr fühlen, kommen wir automatisch an unser Ziel.

Und noch etwas: einmal das Ziel erreicht, am Gipfel angekommen, geht das Leben weiter – also auch wieder runter vom Gipfel. Eine neue Erfahrung, die wartet. Ich gehe weiter im Vertrauen, das Richtige zu tun, bin aufmerksam. Der Abstieg vom Gipfel ist körperlich nicht so anstrengend, wie der Aufstieg, erfordert aber ebenso meine absolute Aufmerksamkeit. Die Sicht verändert sich, durch diese neue Erfahrung bin ich gewachsen. Ich fühle mich gut, voller Energie, stolz es geschafft zu haben und mit neuer Motivation. Mein Denken über mich hat sich verändert.

Ich BIN einzigartig. Ich liebe und akzeptiere mich wie ich bin. Ich BIN stolz auf mich.

Bei diesen Gedanken wird mir wieder warm ums Herz. Ja, es fühlt sich gut an. Ich freue jetzt auf mein Zuhause, meine Kinder, meinen Mann, mein Leben. Vergessen sind die Sinnkrise oder die Hormonschwankungen in den Wechseljahren.

Ich bin glücklich und zufrieden. Und da warten noch mehr Träume, Wünsche und auch Ziele.

Herzlichst,

Cathrin Pöhlmann