Aktiv meditieren

Hola meine Lieben,

habt ihr eine Ahnung, was „aktiv meditieren“ ist? Generell kann man meditieren alles bezeichnen, wenn man mit seinem Geist alleine ist. Das kommt schon ziemlich oft am Tag vor. Zum Beispiel beim Duschen morgens, Frühstück allein, auf dem Weg zur Arbeit, beim Walken, Joggen oder auch Wandern. Vorausgesetzt wir sind allein und uns dessen auch bewusst.

Meine Geschichte:

Am Freitag hat es den ganzen Tag wie aus Eimern gegossen  (ja, auch das kann auf Mallorca passieren), was ja auch mal schön ist, vorm Kamin zu sitzen, bei Kerzenlicht kuscheln. Nicht zu vergessen, wird das Wasser hier auch dringend gebraucht. Im Tramuntana-Gebirge hat es sogar geschneit, der Puig Major ist weiß gepudert.

Aber das war gestern, heute ist wieder strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Es geht gar nicht anders, ich muss raus in die Natur, in die Berge. Ich habe mich für das Naturschutzgebiet in Artá entschieden. Hier ist es absolut ruhig, keine Autos, kein Stadtlärm, nur einige Wanderer wie ich. Meine Männer habe ich zu Hause gelassen, ich möchte heute mal alleine sein, mein Gedankenkarusell zur Ruhe bringen, nicht reden, nur ich mit mir und der Natur: „aktiv meditieren“.

In 15 min bin ich auf dem Parkplatz angekommen. Ich schaue nochmal auf die große Karte. Es gibt 13 Wanderwege, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die sehr gut ausgeschildert sind. Ich entscheide mich für den „Pujada a sa Talaia Freda.“

Auf diesem Berg war ich schon einmal. Damals hatte ich die Wegweiser übersehen und bin direkt, ohne Weg, steil nach oben gegangen. Zwar war ich schneller oben, aber es war auch sehr viel anstrengender. Gelernt habe ich daraus, in Ruhe und Gelassenheit die Dinge anzugehen und auf mein Umfeld zu achten. Heute werde ich aufmerksamer sein.

Der Weg bis zur Abzweigung ist sehr breit und eben, gut zu laufen. Meine Gedanken kreisen um meine Arbeit: meine neuen Kurse, neue Vorträge, die neue Stoffwechselkursgruppe, das Zoom-Meeting morgen… Ich bleibe kurz stehen, atme mehrmals tief durch… ist das nicht schön hier… Natur pur, ich bin ganz allein, die Vögel zwitschern, irgendwo weiter weg die Glöckchen der Schafe… die Arbeit kurz vergessen, alles, was noch erledigt werden will… aktiv meditieren… Gedanken dürfen da sein, aber den Fokus auf das Atmen oder die Umgebung richten… Gedanken verblassen, haben keinen Raum, keine Beachtung mehr.

Allem, was wir Beachtung und Aufmerksamkeit schenken, wird sich verstärken und umgekehrt. Nicht Beachtetes wird sich abschwächen.

Ich gehe zügig weiter, lausche den Vögeln… überlege, was ich heute kochen und vielleicht auch backen könnte. Wie geht es Susi, meiner Tochter, dem kleinen Erwin, sind sie schon wieder zu Hause angekommen? Was macht Martin gerade?

Gerade habe ich eine Kurve hinter mir gelassen und der unglaubliche Ausblick lässt mich wieder ins Hier und Jetzt zurückkommen. Ich verweile einen Moment und bin ganz bei mir, lausche meinem Atem, meinem Herzschlag… keine Gedanken… wie schön es hier ist.

Da ist das Schild, ich muss hier abbiegen, vom Hauptweg weg hinauf zum Talaia Freda. Ab hier muss ich mehr auf den Weg achten, die Leitpfosten und die kleinen Steintürmchen, die mir den Weg weisen.

Das Gedankenkarussell wird langsamer, ich bin jetzt öfter im Hier und Jetzt, bei mir. Bleibe hie und da stehen, um den Blick zu genießen, der sich ständig verändert, je höher ich komme, umso schöner wird er.

Da lauert schon eine Herausforderung… ich muss durch ein Holztor. Auf der anderen Seite weidet eine Herde mallorquinischer Kühe. Sie tun einem ja nichts, aber sind schon Respekt einflößend. Eine Kuh liegt direkt vor dem Tor. So, was nun? Aufgeben und einen anderen Weg oder sogar einen anderen Berg wählen? Gut, erstmal setzen, Wasser trinken, eine Mandarine zur Stärkung und schon ist klar… weiter geht’s. Ich öffne das Tor und betrete die Weidefläche, die Kuh vor mir beäugt mich, lässt sich aber bei ihrem Sonnenbad nicht stören. Ich gehe zügig weiter, die anderen Kühe beachten mich gar nicht, oder schauen nur kurz neugierig herüber, um sich dann wieder dem Fressen zu widmen.

Was bin ich für ein Schisser, das sind Kühe, keine Löwen.

Da ist mein Weg, der Anstieg wird jetzt ständig steiler. Heute bin ich aufmerksamer als beim letzten Mal und so erkenne ich die kleinen Türmchen, die mir den Weg nach oben zeigen. Ab und an bleibe ich stehen und lausche meinem Herzschlag, kräftig und stark. Tatsächlich, es spricht mit mir: „Es ist nicht leicht mit dir. Du könntest etwas mehr Ruhe und Gelassenheit in deinen Alltag bringen. Das würde mir, uns sehr gut tun. Mach dir nicht immer über alles Gedanken, alles ist gut so wie es ist. Lebe und genieße im Hier und Jetzt, dann können wir alles schaffen. Wenn du tust, was dich glücklich macht, dann geht es auch mir gut.“

Ja, ich arbeite daran und beginne sofort damit. Die Aussicht ist traumhaft, ich bin glücklich, fühle mich frei, groß und stark.

 

 

 

 

 

„Aktiv meditieren“, wäre das nicht auch ein Thema für die Wohlfühltage? Genau, ein Ausflug hier her, zu diesem Berg. Auf dem Weg nach oben schweigen, jeder mit sich selbst allein, Gedanken beruhigen, sich selbst bewusst werden, Kontakt mit den Herzenswünschen. Ja, das scheint mir eine gute Idee.

Weiter geht es… nur noch wenige Meter trennen mich vom Gipfel… ich muss klettern… und dann… ich bin oben…

Wie cool ist das denn! Ich könnte laut schreien… ich tue es auch… was habe ich für ein Glück hier zu sein…

Es ist nicht vorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Die Aussicht ist gigantisch… da ist Menorca auf der Meerseite, im Osten sehe ich Cala Ratjada, nach Süden hin rechts den Puig „Salvador“, der Hausberg von Felanix. Rechts daneben der „Randa“, der Tafelberg von Algaida, und im Westen das Tramuntanagebirge mit dem Schnee bedeckten Puig Major, die Buchten von Alcudia und Pollenca und der letzte Zipfel von Mallorca, Cap Formentor… eine Traumaussicht und ich stehe hier und bin total überwältigt und dankbar, dass ich hier sein darf.

Mein Gedankenkarusell ist stehen geblieben. Im Schutz des Gipfelsteins sitze ich hier, die Sonne wärmt mich.

Schauen, staunen, alles verfliegt und fügt sich neu zusammen… Hier und Jetzt… klar mein Ziel, meine Vision…

Ja, das sollte ich anbieten, diese Chance sollten so viele wie möglich bekommen.

Nach einer Stunde der Ruhe, Stille und Erholung ist es an der Zeit für den Abstieg. Ich sage „Adios“ und bis ganz bald.

Glücklich, leicht und beschwingt, aber trotzdem konzentriert gehe ich wieder nach unten… der Blick ein anderer, die Gedanken zurück gelassen, an den Kühen vorbei… mit einem Lächeln im Gesicht… in Vorfreude auf zu Hause und alles, was da noch kommt…

Ich wünsche euch eine tolle Woche mit vielen kleinen oder auch großen aufregenden Erlebnissen.

Bis bald und herzlichst,

Cathrin Pöhlmann